Netzentgelte einfach erklärt

Zwei Haushalte in Niedersachsen. Gleicher Stromanbieter, gleicher Tarif, gleicher Verbrauch von 3.500 kWh. Der eine hängt am Netz von EWE und zahlt für den Netztransport 112 € im Jahr. Der andere hängt am Netz von LeineNetz bei Garbsen und zahlt 410 €.

Fast 300 Euro Unterschied – und keiner der beiden kann etwas daran ändern. Das ist das Netzentgelt: der Teil Ihres Strompreises, der ausschließlich davon abhängt, wo Sie wohnen. Er macht rund ein Viertel des Gesamtpreises aus.

Was das Netzentgelt ist

Strom muss zu Ihnen transportiert werden – über Höchstspannungstrassen, Umspannwerke und das örtliche Verteilnetz. Dafür zahlen Sie das Netzentgelt. Es geht nicht an Ihren Stromanbieter, sondern an den Verteilnetzbetreiber (VNB), dem die Leitungen in Ihrer Straße gehören. Die Höhe wird von der Bundesnetzagentur reguliert.

Auf Ihrer Rechnung taucht es meist gar nicht getrennt auf – es steckt im Arbeits- und Grundpreis Ihres Tarifs. Tatsächlich sind es vier Posten:

1. Netz-Arbeitspreis – Cent je Kilowattstunde, steigt mit dem Verbrauch. Bundesweiter Median 2026: 7,16 ct/kWh netto. Spanne über alle 521 ausgewerteten Netzbetreiber: 2,46 bis 17,39 ct/kWh.

2. Netz-Grundpreis – ein fester Jahresbetrag, unabhängig vom Verbrauch. Median: 73 € im Jahr netto. Die Bundesnetzagentur nennt für 2025 denselben Wert.

3. Konzessionsabgabe – eine Gebühr, die Ihre Gemeinde dafür erhebt, dass Leitungen öffentliche Wege nutzen. Die Höchstsätze stehen in § 2 Abs. 2 der Konzessionsabgabenverordnung und hängen an der Einwohnerzahl:

Gemeindegröße Höchstsatz
bis 25.000 Einwohner 1,32 ct/kWh
bis 100.000 Einwohner 1,59 ct/kWh
bis 500.000 Einwohner 1,99 ct/kWh
über 500.000 Einwohner 2,39 ct/kWh
Schwachlaststrom 0,61 ct/kWh

Das ist einer der Gründe, warum Großstädte beim Strompreis nicht automatisch günstiger sind: Der Netzbetrieb ist dort effizienter, die Konzessionsabgabe aber fast doppelt so hoch wie auf dem Land.

4. Messstellenbetrieb – das Entgelt für den Zähler selbst, in den Preisblättern separat ausgewiesen.

Warum es je nach Region so unterschiedlich ist

Jeder Netzbetreiber legt seine eigenen Kosten auf die Kunden in seinem Gebiet um. Drei Faktoren treiben das auseinander:

Anschlussdichte. Auf dem Land liegen lange Leitungen für wenige Haushalte – dieselben Kosten verteilen sich auf weniger Schultern. In der Stadt teilen sich viele Kunden ein dichtes Netz.

Netzausbau für Erneuerbare. Wo viel Wind- und Solarstrom erzeugt wird, musste massiv investiert werden. Diese Kosten trugen bis 2024 vor allem die Erzeugerregionen selbst – überwiegend ländliche Gebiete im Norden und Osten.

Betreibergröße. Die rund 520 deutschen Verteilnetzbetreiber reichen von der Elektrizitätsgenossenschaft mit ein paar tausend Anschlüssen bis zu Westnetz mit Millionen. Kleine Netze können sehr günstig sein (Unterneukirchen: 2,46 ct) oder sehr teuer (Köhlgartenwiese: 17,39 ct) – ihnen fehlt der Ausgleich über die Masse.

Seit 2025 hat sich das Bild gedreht. Die Mehrkosten für die Integration von Wind- und Solarstrom werden nun bundesweit umgelegt statt allein von den Erzeugerregionen getragen. Das Ergebnis sieht man in unseren Daten: Die fünf günstigsten Bundesländer liegen heute im Osten und Süden, die fünf teuersten im Westen und in den Stadtstaaten. Die vollständige Aufstellung steht im Vergleich nach Bundesland.

2026 kommt ein Bundeszuschuss von 6,5 Milliarden Euro hinzu, der das Übertragungsnetzentgelt von 6,65 auf 2,86 ct/kWh drückt. Welcher Netzbetreiber dadurch wie stark fällt, steht in Netzentgelte 2026.

Die zwei Wege, Ihr Netzentgelt zu senken

Den Netzbetreiber können Sie nicht wechseln – er gehört zur Adresse. Zwei Hebel gibt es trotzdem.

Erstens: §14a EnWG. Wer eine Wärmepumpe, Wallbox, einen Heimspeicher oder eine Klimaanlage mit mindestens 4,2 kW betreibt, kann ein reduziertes Netzentgelt wählen. Im Gegenzug darf der Netzbetreiber die Leistung in seltenen Fällen kurz drosseln. Der reduzierte Arbeitspreis (Modul 2) lag 2026 im Median bei 2,88 ct/kWh – rund 40 % unter dem normalen Wert. Bei einer Wärmepumpe mit 3.000 kWh sind das grob 130 € im Jahr. Details: §14a EnWG einfach erklärt.

Zweitens: weniger Netzstrom beziehen. Jede Kilowattstunde vom eigenen Dach umgeht das Netzentgelt vollständig. Und hier kippt die Logik ins Positive: Je teurer Ihr Netz, desto mehr ist Ihr Eigenverbrauch wert. In einem Netzgebiet mit 11 ct Arbeitspreis rechnet sich eine Solaranlage spürbar schneller als in einem mit 3 ct – bei identischer Anlage und identischem Dach.

Was das für Ihre Adresse heißt, rechnet der Photovoltaik-Rechner mit dem echten Netzentgelt Ihres Netzbetreibers durch – nicht mit einem Bundesdurchschnitt.

Häufige Fragen

Kann ich meinen Netzbetreiber wechseln? Nein. Er ist an Ihre Adresse gebunden. Wechseln können Sie nur den Stromanbieter – das Netzentgelt bleibt dabei unverändert.

Warum zahlt mein Nachbarort weniger? Weil dort ein anderer Netzbetreiber zuständig sein kann. Netzgebietsgrenzen verlaufen nicht entlang von Stadtgrenzen; wenige Kilometer können mehrere Cent pro Kilowattstunde ausmachen.

Wie hoch ist mein Netzentgelt? Das hängt an Ihrer Postleitzahl. Den konkreten Wert samt Grundpreis und §14a-Modulen zeigt der Netzentgelt-Finder.

Ist das Netzentgelt im Strompreis schon enthalten? Ja, es steckt fest im Arbeits- und Grundpreis Ihres Vertrags, meist ohne getrennten Ausweis. Im Schnitt macht es rund ein Viertel des Gesamtpreises aus.

Sind die genannten Werte brutto oder netto? Netto. Für den Endkundenpreis rund × 1,19 rechnen.

Warum ist Strom in der Großstadt trotz dichtem Netz nicht billiger? Weil die Konzessionsabgabe mit der Einwohnerzahl steigt – in Gemeinden über 500.000 Einwohnern auf 2,39 ct/kWh gegenüber 1,32 ct auf dem Land. Der Effizienzvorteil des dichten Netzes wird dadurch teilweise aufgezehrt.


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Stand: 2026. Netzentgelt-Werte aus eigener Auswertung von 524 Netzbetreiber-Preisblättern (Niederspannung, Haushalt ohne Leistungsmessung, netto). Konzessionsabgaben-Höchstsätze nach § 2 Abs. 2 KAV. Grundpreis-Median gegengeprüft mit dem Monitoringbericht der Bundesnetzagentur.

Zuletzt aktualisiert: September 2026 · Unabhängig & kostenlos – wir verkaufen keine Anlagen, sondern rechnen ehrlich.

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