Netzentgelte nach Bundesland 2026: der Vergleich

Der Bundesland-Schnitt ist die bekannte Zahl – und die unwichtigere. Wer in Bayern wohnt, zahlt im Mittel 5,53 ct/kWh für den Netztransport. Zwischen dem günstigsten und dem teuersten bayerischen Netz liegen aber 9,4 ct, fast das Fünffache. Der Landesschnitt sagt Ihnen also, wie Ihr Bundesland dasteht. Was Sie zahlen, entscheidet Ihr Netzbetreiber.

Diese Auswertung zeigt beides: den Durchschnitt je Land und die Spanne darin, mit dem jeweils günstigsten und teuersten Netzbetreiber namentlich. Grundlage sind die veröffentlichten Preisblätter von 524 Netzbetreibern über 8.065 Postleitzahlen, zu 99,99 % gegen das Original-PDF geprüft.

Alle 16 Bundesländer: Schnitt, Spanne, Netzbetreiber

Sortiert vom günstigsten zum teuersten Landesschnitt. Alle Werte sind Netz-Arbeitspreise in ct/kWh, netto (Niederspannung, Haushalt ohne Leistungsmessung). Der Durchschnitt ist einwohnergewichtet – jede Postleitzahl zählt mit ihrer Bevölkerung, damit die Zahl abbildet, was der typische Haushalt zahlt.

Bundesland PLZ Ø Spanne im Land günstigstes Netz teuerstes Netz
Mecklenburg-Vorpommern 191 5,27 3,17 – 8,44 Netzgesellschaft Schwerin Stadtwerke Neustrelitz
Bremen 40 5,44 5,34 – 5,46 wesernetz Bremerhaven wesernetz Bremen
Bayern 2.051 5,53 2,46 – 11,88 E-Genossenschaft Unterneukirchen Stadtwerke Ebermannstadt
Niedersachsen 782 5,84 3,20 – 11,70 EWE NETZ LeineNetz (Garbsen/Neustadt)
Brandenburg 213 5,97 4,58 – 9,37 SWW Stromnetz (Wittenberge) Stadtwerke Strausberg
Thüringen 213 6,03 4,28 – 9,66 OsthessenNetz Stromnetz WE
Sachsen-Anhalt 200 6,31 4,18 – 8,89 Netze Magdeburg SW Weißenfels Energienetze
Schleswig-Holstein 436 6,61 4,09 – 11,01 Stadtwerke Norderstedt Versorgungsbetriebe Bordesholm
Sachsen 380 6,80 4,29 – 9,97 Netz Leipzig Stadtwerke Schneeberg
Hessen 524 6,97 4,20 – 10,04 KBG Homberg Fraport AG (Flughafen)
Saarland 69 7,14 5,21 – 11,35 Stadtwerke Saarbrücken Netz Bexbach
Nordrhein-Westfalen 819 7,34 3,78 – 10,96 RheinNetz (Köln) Stadtwerke Witten
Berlin 190 7,46 7,46 – 7,46 Stromnetz Berlin (einziges Netz) –
Baden-Württemberg 1.187 7,54 4,32 – 17,39 MVV Netze (Mannheim) Kraftwerk Köhlgartenwiese
Rheinland-Pfalz 656 7,79 5,06 – 11,51 Queichtal Energie Offenbach Stadtwerke Lambrecht
Hamburg 97 9,63 3,20 – 9,70 EWE NETZ (Insel Neuwerk) Hamburger Energienetze

Bund gesamt: 6,79 ct/kWh einwohnergewichtet. Rechnet man stattdessen jede Postleitzahl gleich stark, sind es 6,45 ct – ländliche Netze sind im Schnitt günstiger, es wohnen dort nur weniger Menschen.

Die Spanne ist größer als der Länderunterschied

Zwischen dem günstigsten und dem teuersten Bundesland liegen 4,4 ct/kWh. Innerhalb von Baden-Württemberg allein liegen 13,1 ct, innerhalb Bayerns 9,4 ct. Anders gesagt: In welchem Bundesland Sie wohnen, erklärt deutlich weniger als in welchem Netzgebiet.

Für einen Haushalt mit 3.500 kWh heißt das konkret:

  • günstigstes Netz Bayerns (2,46 ct): 86 € im Jahr netto für den Arbeitspreis-Anteil
  • teuerstes Netz Bayerns (11,88 ct): 416 €
  • Differenz: 330 € pro Jahr – bei gleichem Anbieter, gleichem Tarif, gleichem Bundesland

Deshalb ist der Landeswert eine Einordnung, keine Rechengröße. Für Ihre Rechnung zählt der Wert Ihres Netzbetreibers: 👉 Netzentgelt für Ihre PLZ prüfen

Vier Sonderfälle, die man kennen muss

Ein paar Werte in der Tabelle sind erklärungsbedürftig – wir führen sie mit, weil sie in den Preisblättern so stehen, aber sie bedeuten nicht das, was sie auf den ersten Blick zu bedeuten scheinen.

Hamburgs Minimum von 3,20 ct ist die Insel Neuwerk. Sie gehört staatsrechtlich zu Hamburg, liegt aber im Wattenmeer vor Cuxhaven und hängt am Netz von EWE. Das Hamburger Stadtnetz kostet 9,70 ct. Wer in Hamburg wohnt, zahlt praktisch immer den hohen Wert – die Spanne ist eine geografische Kuriosität, kein Sparpotenzial.

Hessens teuerstes Netz gehört der Fraport AG. Das ist das Werksnetz des Frankfurter Flughafens, kein Wohngebiet. Für hessische Haushalte ist es ohne Bedeutung.

Der bundesweite Höchstwert von 17,39 ct (Kraftwerk Köhlgartenwiese, Südbaden) ist vorläufig. Er wurde für 2026 nach § 20 Abs. 1 S. 2 EnWG nur vorläufig festgesetzt und kann sich rückwirkend ändern. Insgesamt betrifft das 32 der 524 Netzbetreiber (6,1 %).

Berlin hat exakt ein Netz. Stromnetz Berlin versorgt die gesamte Stadt, deshalb steht dort dieselbe Zahl bei Minimum, Maximum und Durchschnitt. Berlin ist das einzige Bundesland, in dem der Landesschnitt tatsächlich Ihr persönlicher Wert ist.

Warum die Unterschiede so groß sind

Kurz: Jeder Netzbetreiber legt seine eigenen Kosten auf die Kunden in seinem Gebiet um – lange Leitungen für wenige Anschlüsse sind pro Kilowattstunde teurer, und Regionen mit viel Wind- und Solarausbau mussten stärker investieren. Ausführlich steht das in Netzentgelte einfach erklärt.

Ein Muster fällt in der Tabelle trotzdem auf: Die fünf günstigsten Länder liegen im Osten und Süden, die fünf teuersten im Westen und in den Stadtstaaten. Das ist neu. Bis 2024 war es umgekehrt – die Erzeugerregionen im Norden und Osten trugen die Ausbaukosten für Wind allein. Seit 2025 werden diese Mehrkosten bundesweit verteilt, was Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt um rund 3 ct/kWh entlastet hat und Nordrhein-Westfalen oder Hessen um weniger als 1 ct.

2026 sinken die Netzentgelte zusätzlich fast überall – im Median unserer Stichprobe um 22,5 %. Welche Netzbetreiber wie stark fallen und welche drei gegen den Trend steigen, steht in Netzentgelte 2026.

Methodik und Grenzen

Ausgewertet wurden die veröffentlichten Preisblätter von 524 Netzbetreibern (521 mit vollständigen Haushaltspreisen), Niederspannung, Haushaltskunden ohne Leistungsmessung, Stand 2026, alle Werte netto. Die Zuordnung Postleitzahl → Bundesland läuft über das amtliche OpenPLZ-Verzeichnis (AGS).

Für die Einwohnergewichtung haben wir die Gemeinde-Einwohnerzahlen des Destatis-Gemeindeverzeichnisses (Stand 31.12.2024) anteilig auf die Postleitzahlen verteilt. Gegenprobe mit einer unabhängigen zweiten Quelle: 6,77 ct statt 6,79 ct – eine Abweichung von 0,02 ct.

Grenzen, die wir offenlegen: 16 Postleitzahlen (0,2 %) haben keinen OpenPLZ-Treffer, 15 liegen in mehreren Bundesländern und wurden per Mehrheitsregel zugeordnet. Die Verteilung von Gemeinde auf Postleitzahl ist proportional, nicht adressgenau – für Landesaggregate unkritisch, für Einzeladressen nicht belastbar. Deshalb: den PLZ-Check nutzen, nicht den Landeswert.

Strompreis in einzelnen Städten

Für diese Städte liegen die Netzentgelte bereits im Detail vor – mit Arbeitspreis, Grundpreis, Konzessionsabgabe und den §14a-Werten des jeweiligen Netzbetreibers:

Baden-Württemberg: Bad Bellingen · Bad Krozingen · Breisach am Rhein · Ehrenkirchen · Emmendingen · Freiburg · Heidelberg · Heilbronn · Heitersheim · Karlsruhe · Kirchzarten · Konstanz · Mannheim · Müllheim · Neuenburg am Rhein · Pforzheim · Reutlingen · Schliengen · Staufen im Breisgau · Stuttgart · Sulzburg · Ulm · Waldkirch

Bayern: Augsburg · Bayreuth · Erlangen · Fürth · Ingolstadt · Landshut · München · Nürnberg · Regensburg · Würzburg

Berlin: Berlin

Brandenburg: Brandenburg an der Havel · Cottbus · Potsdam

Bremen: Bremen

Hamburg: Hamburg

Hessen: Darmstadt · Frankfurt am Main · Gießen · Kassel · Offenbach am Main · Wiesbaden

Mecklenburg-Vorpommern: Rostock · Schwerin

Niedersachsen: Braunschweig · Göttingen · Hannover · Oldenburg · Osnabrück · Wolfsburg

Nordrhein-Westfalen: Aachen · Bielefeld · Bochum · Bonn · Dortmund · Duisburg · Düsseldorf · Essen · Köln · Mönchengladbach · Münster · Wuppertal

Rheinland-Pfalz: Kaiserslautern · Koblenz · Ludwigshafen · Mainz · Trier

Saarland: Saarbrücken

Sachsen: Chemnitz · Dresden · Leipzig · Zwickau

Sachsen-Anhalt: Halle (Saale) · Magdeburg

Schleswig-Holstein: Flensburg · Kiel · Lübeck · Neumünster

Thüringen: Erfurt · Gera · Jena

Ist Ihre Stadt nicht dabei, führt der PLZ-Check oben trotzdem zu Ihrem Netzbetreiber.

Häufige Fragen

Welches Bundesland hat 2026 die günstigsten Netzentgelte? Mecklenburg-Vorpommern mit 5,27 ct/kWh im einwohnergewichteten Schnitt, vor Bremen (5,44) und Bayern (5,53).

Wo sind sie am teuersten? In Hamburg mit 9,63 ct/kWh. Den höchsten Einzelwert Deutschlands hat aber ein kleines Netz in Baden-Württemberg (Kraftwerk Köhlgartenwiese, 17,39 ct/kWh, vorläufig festgesetzt).

Kann ich vom Landesschnitt auf meine Rechnung schließen? Nein. Innerhalb Bayerns reicht die Spanne von 2,46 bis 11,88 ct/kWh – der Landesschnitt von 5,53 ct trifft auf kaum einen konkreten Haushalt zu. Maßgeblich ist immer Ihr Netzbetreiber.

Sind das Brutto- oder Nettowerte? Netto. Für den Endkundenpreis rund × 1,19 rechnen.

Warum ist Hamburgs Spanne so groß, obwohl es ein Stadtstaat ist? Weil die Insel Neuwerk zu Hamburg gehört, aber am günstigen EWE-Netz hängt. Das Stadtgebiet selbst hat einheitlich 9,70 ct/kWh.

Wie sind die Durchschnitte gewichtet? Einwohnergewichtet über die Bevölkerung je Postleitzahl. Die alternative Gewichtung – jede Postleitzahl gleich – ergibt bundesweit 6,45 statt 6,79 ct/kWh; die Rangfolge der Länder bleibt dabei praktisch unverändert.


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Stand: 2026 – eigene Auswertung von 524 Netzbetreiber-Preisblättern, Netz-Arbeitspreis Niederspannung, netto. Einwohnerdaten: Destatis-Gemeindeverzeichnis 31.12.2024. Einzelne Netzbetreiber weichen ab; maßgeblich ist das Preisblatt Ihres Netzbetreibers.

Zuletzt aktualisiert: September 2026 · Unabhängig & kostenlos – wir verkaufen keine Anlagen, sondern rechnen ehrlich.

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