Netzentgelte 2026: Warum sie sinken – und ob Sie etwas davon merken

Die Strom-Netzentgelte sinken 2026 fast überall. Wie stark, hängt vom Netzbetreiber ab, und die Bandbreite ist erheblich: Bei den Pfalzwerken fällt der Netz-Arbeitspreis um 45 %, bei Westnetz um 4,5 % – und drei Netze werden sogar teurer.

Wir haben für 30 Netzbetreiber die Preisblätter 2025 und 2026 direkt gegenübergestellt: die größten nach Postleitzahlen plus beide bundesweiten Extremwerte. Ergebnis: 26 von 30 gefallen, 3 gestiegen, 1 unverändert. Der Median liegt bei −22,5 %, das arithmetische Mittel bei −18,9 %. Das deckt sich mit der Ankündigung der Bundesnetzagentur von rund −17 % für 2026.

Unten steht die vollständige Tabelle. Danach der unbequeme Teil: warum davon nur ein Bruchteil auf Ihrer Rechnung ankommt.

Alle 30 Netzbetreiber: 2025 gegen 2026

Netz-Arbeitspreis Niederspannung, Haushalt ohne Leistungsmessung, netto in ct/kWh. Sortiert nach dem stärksten Rückgang.

Netzbetreiber 2025 2026 Änderung
Pfalzwerke Netz AG 11,53 6,30 −45,4 %
E.DIS Netz GmbH 8,65 5,47 −36,8 %
Bayernwerk Netz GmbH 7,35 4,72 −35,8 %
EWE NETZ GmbH 4,89 3,20 −34,6 %
RheinNetz GmbH (Köln) 5,77 3,78 −34,5 %
SWM Infrastruktur (München) 9,28 6,47 −30,3 %
LEW Verteilnetz GmbH 5,87 4,09 −30,3 %
e-netz Südhessen AG 8,00 5,63 −29,6 %
Schleswig-Holstein Netz (SH Netz) 8,75 6,40 −26,9 %
Stromnetz Berlin GmbH 9,97 7,46 −25,2 %
TEN Thüringer Energienetze 7,40 5,56 −24,9 %
Netz Leipzig GmbH 5,65 4,29 −24,1 %
Westfalen Weser Netz GmbH 8,47 6,46 −23,7 %
Energienetze Mittelrhein (Koblenz) 8,35 6,39 −23,5 %
WEMAG Netz GmbH 6,65 5,13 −22,9 %
Netze BW GmbH 9,73 7,57 −22,2 %
Hamburger Energienetze GmbH 12,11 9,70 −19,9 %
naturenergie netze (Südbaden) 9,09 7,30 −19,7 %
EAM Netz GmbH 6,64 5,48 −17,5 %
MITNETZ STROM mbH 7,52 6,31 −16,1 %
ovag Netz GmbH 8,45 7,33 −13,3 %
Syna GmbH (Süwag) 9,98 8,67 −13,1 %
Netze ODR (Ostwürttemberg-DonauRies) 6,41 5,87 −8,4 %
Mainfranken Netze (Würzburg) 4,29 3,95 −7,9 %
N-ERGIE Netz GmbH 6,38 5,96 −6,6 %
Westnetz GmbH 9,98 9,53 −4,5 %
Avacon Netz GmbH 6,04 6,04 ±0,0 %
badenovaNETZE (Freiburg) 7,16 7,29 +1,8 %
EWR Netz GmbH (Worms) 7,95 8,46 +6,4 %
Kraftwerk Köhlgartenwiese GmbH 14,15 17,39 +22,9 %

Zwei Dinge fallen daran auf.

Erstens: Wer 2025 teuer war, fällt 2026 stärker. Die Pfalzwerke starteten bei 11,53 ct und landen bei 6,30 – von deutlich über dem Bundesschnitt auf leicht darunter. Umgekehrt fällt Mainfranken, mit 4,29 ct schon 2025 günstig, nur um 7,9 %. Die Entlastung wirkt also nivellierend: Die Spanne zwischen den großen Netzen wird schmaler.

Zweitens: Westnetz ist die Ausnahme. Mit 9,53 ct nach nur −4,5 % bleibt der größte deutsche Verteilnetzbetreiber teuer – und er versorgt große Teile von Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz. Das ist ein Grund, warum diese beiden Länder im Bundesland-Vergleich am oberen Ende stehen.

Die drei, die gegen den Trend steigen

  • Kraftwerk Köhlgartenwiese: +22,9 % auf 17,39 ct/kWh – der höchste Netz-Arbeitspreis Deutschlands. Wichtig: Dieser Wert ist für 2026 nach § 20 Abs. 1 S. 2 EnWG nur vorläufig festgesetzt und kann sich rückwirkend noch ändern.
  • EWR Netz (Worms): +6,4 % auf 8,46 ct – endgültig festgesetzt.
  • badenovaNETZE (Freiburg): +1,8 % auf 7,29 ct – endgültig festgesetzt.

Avacon Netz liegt 2026 exakt auf dem Vorjahreswert von 6,04 ct.

Warum sinken sie überhaupt?

Der Treiber liegt nicht im örtlichen Netz, sondern eine Ebene darüber. Das Übertragungsnetzentgelt – die Kosten der großen Fernleitungen, die in jedem Stromtarif stecken – fällt von 6,65 auf 2,86 ct/kWh, also fast auf die Hälfte. Möglich macht das ein Zuschuss des Bundes von 6,5 Milliarden Euro aus dem Klima- und Transformationsfonds.

Weil dieser Posten Bestandteil jedes Verteilnetzentgelts ist, zieht er die Werte überall mit nach unten – unabhängig davon, wie effizient der örtliche Netzbetreiber wirtschaftet. Genau deshalb fallen 26 von 30 Netzen gleichzeitig.

Der Haken daran: Der Zuschuss ist eine Haushaltsentscheidung, kein Strukturwandel. Ob er über 2026 hinaus fortgeführt wird, ist offen. Fällt er weg, steigen die Netzentgelte in derselben Größenordnung wieder.

Der Haken: Kommt das bei Ihnen an?

Ein sinkendes Netzentgelt heißt nicht automatisch, dass Ihre Stromrechnung sinkt.

Stromversorger sind nicht verpflichtet, gesunkene Netzentgelte an Bestandskunden weiterzugeben. Die Entlastung fließt vor allem in die Kalkulation neuer Tarife ein – mit Verzögerung. Nach Berechnungen von Verivox kommt kurzfristig weniger als ein Drittel der Ersparnis bei Privathaushalten an.

Rechnerisch möglich wären für einen Drei-Personen-Haushalt mit 4.000 kWh rund 82 € brutto Entlastung im Jahr – wenn der Versorger sie vollständig weiterreicht.

Was Sie tun können: Vergleichen Sie Ihren Bestandstarif mit aktuellen Angeboten. Neue Tarife preisen die gesunkenen Netzkosten eher ein als laufende Verträge. Und prüfen Sie, ob Sie über §14a EnWG ein reduziertes Netzentgelt bekommen können – das wirkt sofort und unabhängig vom Versorger: §14a EnWG einfach erklärt.

Was zahlen Sie in Ihrer Region?

Die 30 Netze oben sind die großen. Bundesweit reicht die Spanne über alle 521 ausgewerteten Netzbetreiber von 2,46 bis 17,39 ct/kWh. Ihren konkreten Wert – Arbeitspreis, Grundpreis und die §14a-Module – sehen Sie per Postleitzahl: 👉 Netzentgelt für Ihre PLZ prüfen

Methodik

Stichprobe: 30 Netzbetreiber – die größten nach abgedeckten Postleitzahlen plus beide bundesweiten Extremwerte. Werte 2026 aus unserem Datensatz (Original-Preisblätter), Werte 2025 aus Archiv-Preisblättern, je über den Grundpreis 2025 gegengeprüft.

Grenzen: Die Stichprobe ist bevölkerungsstark, aber nicht repräsentativ für alle 521 Netzbetreiber – kleine Netze sind untererfasst. Deshalb liegt unser Median (−22,5 %) unter dem Bundeswert der Bundesnetzagentur (rund −17 %), der alle Netze und zusätzlich den Grundpreis einbezieht. Die 2025er-Werte stammen aus Sekundär- und Archivquellen. Alle Angaben netto, brutto × 1,19.

Häufige Fragen

Sinken die Netzentgelte 2026? Ja. Im Bundesschnitt um rund 17 % (Bundesnetzagentur). In unserer Auswertung der 30 großen Netzbetreiber liegt der Median bei −22,5 %; einzelne Netze fallen um über 45 %.

Warum sinken sie? Wegen eines Bundeszuschusses von 6,5 Mrd. € an die Übertragungsnetzkosten. Das Übertragungsnetzentgelt fällt dadurch von 6,65 auf 2,86 ct/kWh und zieht alle Verteilnetzentgelte mit.

Merke ich das auf meiner Stromrechnung? Nicht automatisch. Versorger müssen gesunkene Netzentgelte nicht sofort weitergeben; laut Verivox kommt kurzfristig weniger als ein Drittel bei Privatkunden an. Ein Tarifvergleich lohnt sich deshalb gerade jetzt.

Sinken die Netzentgelte überall? Nein. In unserer Stichprobe sind 26 von 30 gefallen, 1 blieb gleich (Avacon), 3 sind gestiegen: Köhlgartenwiese +22,9 % (vorläufig festgesetzt), EWR Worms +6,4 %, badenovaNETZE Freiburg +1,8 %.

Bleibt das dauerhaft so? Offen. Der Rückgang hängt am Bundeszuschuss aus dem KTF; ob er nach 2026 fortgeführt wird, ist eine politische Entscheidung. Ohne ihn wären die Entgelte wieder auf dem Niveau von 2025.

Warum fällt mein Netzbetreiber stärker als der Bundesschnitt? Weil der Zuschuss vor allem den Übertragungsnetz-Anteil senkt. Netze, bei denen dieser Anteil relativ groß war – typischerweise die 2025 teuren –, profitieren überproportional.


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Stand: 2026 – Netz-Arbeitspreise aus Original-Preisblättern (2026) und Archiv-Preisblättern (2025), Niederspannung, netto. Bundeswert −17 % nach Bundesnetzagentur, Weitergabe-Quote nach Verivox.

Zuletzt aktualisiert: September 2026 · Unabhängig & kostenlos – wir verkaufen keine Anlagen, sondern rechnen ehrlich.

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