Wann lohnt sich eine Wärmepumpe? Die einfache Rechnung dahinter

Ob sich eine Wärmepumpe lohnt, wird im Netz endlos diskutiert. Dabei hängt es im Kern an nur zwei Zahlen: der Jahresarbeitszahl (JAZ) und dem Strompreis.

Die JAZ gibt an, wie viele Kilowattstunden Wärme aus einer Kilowattstunde Strom entstehen – und zwar über das Jahr gemittelt. Ihre alte Gas- oder Ölheizung wandelt die gekaufte Energie ungefähr eins zu eins um – nach Verlusten eher mit einer Effizienz von 90 bis 97 %. Die Wärmepumpe dagegen holt sich zusätzlich kostenlose Umweltenergie aus der Außenluft oder dem Erdreich (das im Winter wärmer ist als die Luft) und schafft damit, je nach Gerät und Haus, einen Faktor von etwa 3 bis 6.

Aus einer Kilowattstunde Strom werden mehrere Kilowattstunden Wärme.

Daraus folgt ein erstaunlich einfacher Dreisatz: Die Wärmepumpe ist im Unterhalt günstiger, sobald der Strompreis geteilt durch die JAZ unter dem Brennstoffpreis liegt. Für 30 ct/kWh Strom, eine JAZ von 3,5 und Gas zu 11 ct sieht das so aus:

Rechnung Wärmekosten
Wärmepumpe 30 ct ÷ 3,5 (JAZ) 8,6 ct/kWh
Gasheizung 11 ct ÷ 0,95 (Verluste) 11,6 ct/kWh

Auf einen Wärmebedarf von 18.000 kWh sind das etwa 540 € weniger im Jahr. Die Rechnung kippt erst, wenn die JAZ unter ~2,6 rutscht – und genau das ist die eigentliche Altbau-Frage, denn die JAZ hängt an der nötigen Vorlauftemperatur.

Zwei Wege, die Rechnung zu gewinnen

Wer die Wärmepumpe in einem solchen Fall (zu niedrige JAZ) wirtschaftlich machen will, hat zwei Stellschrauben.

Die JAZ erhöhen – meist der teure Weg: eine Tiefenbohrung zur Erdwärme oder, falls nicht vorhanden, eine Fußbodenheizung. Beides bringt spürbar mehr Komfort, verlangt aber eine hohe Investition. Oft genügt der günstigere Hebel: der Tausch einzelner zu kleiner Heizkörper gegen passendere, dazu ein hydraulischer Abgleich, um die Vorlauftemperatur zu senken – das hebt die JAZ über die Schwelle, ohne das ganze Haus zu sanieren. Wer bereits eine Fußbodenheizung hat, sollte sich in der Regel ohnehin nicht mit niedrigen Jahresarbeitszahlen beschäftigen müssen.

Den Strompreis senken – häufig der attraktivere Weg. Die naheliegende Möglichkeit ist eine Photovoltaikanlage: Sie erzeugt Strom günstig und nach der Amortisation faktisch kostenlos. Nur stößt sie ausgerechnet beim Heizen an ihre Grenze – denn wenn die Sonne genug Strom liefert, hat die Wärmepumpe wenig zu tun, weil es draußen warm ist. Im Sommer deckt die PV-Anlage zuverlässig den Energiebedarf für die Warmwasserbereitung, in der Übergangszeit Teile des Bedarfs; im Winter reicht der Ertrag oft nicht einmal für den Haushaltsstrom, geschweige denn für die Wärmepumpe.

Wo der dynamische Tarif ins Spiel kommt

Hier setzt ein dynamischer Stromtarif an: Er gibt den Preis der Leipziger Strombörse mit minimalem Aufschlag direkt weiter. Diese Preise entstehen aus Angebot und Nachfrage und stehen viertelstündlich für den Folgetag schon gegen 14 Uhr fest (Day-Ahead-Markt). Ein System mit Batteriespeicher kann das nutzen: Es erkennt per Wetterprognose, dass der eigene PV-Strom für Haushalt, Wärmepumpe und E-Auto nicht reichen wird, und lädt automatisiert in den günstigsten Stunden Speicher, Wärmepumpe und Auto.

Spätestens hier wird klar: Bei einer reinen Wärmepumpeninstallation genügt der Dreisatz. Sobald aber PV, Speicher, dynamischer Tarif und E-Auto zusammenspielen, nicht mehr. Die optimale Größe von Anlage und Speicher hängt dann von Komponentenpreisen, der Effizienz Ihrer Wärmepumpe, der Wetterlage vor Ort und unzähligen weiteren Faktoren ab.

Ehrlich: die Grenze

Kritisch wird die Rechnung nur, wenn die nötige Vorlauftemperatur dauerhaft sehr hoch bleibt und die JAZ unter ~2,6 fällt. Genau dann greifen die beiden Hebel von oben – und meist genügt schon der günstigere, um wieder über die Schwelle zu kommen. Eine Vollsanierung braucht es dafür in aller Regel nicht.

Hinzu kommt: Für die staatliche Förderung (KfW 458) ist ohnehin eine Mindest-JAZ von 3,0 vorgeschrieben, rechnerisch nachgewiesen nach der Norm VDI 4650. Ohne diesen Nachweis gibt es keinen Zuschuss. Weil die Fachbetriebe die Anlage genau darauf auslegen, kommen Werte darunter in der Praxis ohnehin kaum noch vor.

Häufige Fragen

Lohnt sich PV zusätzlich zur Wärmepumpe? Meist ja – sie senkt Ihren effektiven Strompreis. Den größten Effekt bringt die Kombi aus PV, Speicher und dynamischem Tarif.

Was bringt §14a? Reduziertes Netzentgelt für steuerbare Verbraucher (Wärmepumpe/Wallbox) – das senkt den Strompreis in der obigen Rechnung zusätzlich. Wie die drei Module funktionieren, steht im Ratgeber zu §14a EnWG.

Muss ich erst komplett sanieren? Nein. Entscheidend ist nur, dass die JAZ über die Schwelle kommt – oft genügen gezielte Maßnahmen statt einer Vollsanierung.


Raten Sie nicht – weder bei der Anlagengröße noch bei der Frage, ob und wann sich die Investition rentiert. 👉 Wärmepumpe durchrechnen

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