Gasnetzentgelte 2026: Warum Ihre Rechnung steigt – obwohl der Arbeitspreis fällt

„Die Gasnetzentgelte steigen 2026" – das stimmt, greift aber zu kurz. Denn der Preis pro Kilowattstunde, der Arbeitspreis, sinkt vielerorts sogar. Teurer wird eine andere Stellschraube: der Grundpreis, die feste Jahrespauschale fürs Netz. Das klingt nach einer Nebensache, hat aber eine unbequeme Folge – wer viel heizt, merkt kaum etwas, wer wenig verbraucht, zahlt spürbar mehr.

Der eigentliche Punkt: Grundpreis rauf, Arbeitspreis runter

Am deutlichsten zeigt sich das am Gasnetz in Bielefeld, dessen Preisblatt uns vorliegt. Dort ist der Arbeitspreis – der Betrag für jede verbrauchte Kilowattstunde – von 1,835 auf 1,640 ct/kWh gefallen. Der Grundpreis dagegen, den man unabhängig vom Verbrauch zahlt, ist im selben Jahr von 84 auf 156 € geklettert und damit fast verdoppelt. Der Netzbetreiber holt seine Kosten 2026 also merklich stärker über die feste Pauschale herein als über den Verbrauch. In der Schlagzeile „Gas wird teurer" verschwindet diese Verschiebung – auf der Rechnung macht sie den Unterschied.

Bielefeld ist dabei kein Einzelfall, aber auch kein Bundestrend: Wie kräftig der Grundpreis anzieht, unterscheidet sich von Netzbetreiber zu Netzbetreiber erheblich. In unserer Stichprobe von acht Gasnetzen liegen die reinen Arbeitspreise meist zwischen 1,6 und 1,9 ct/kWh, ein einzelner Betreiber reißt mit gut 4 ct nach oben aus. Genau diese Spannbreite bestätigt der Bundesblick: Verivox rechnet für 2026 im Schnitt mit rund 11 Prozent höheren Gasnetzentgelten, weist aber ausdrücklich auf große regionale Unterschiede hin – mancherorts sind es wenige Prozent, andernorts 40 und mehr.

Wen das trifft – und wen nicht

Weil der Aufschlag im festen Grundpreis steckt, verteilt er sich höchst ungleich. Für einen Haushalt, der mit Gas heizt und im Jahr auf etwa 20.000 Kilowattstunden kommt, verteilt sich die höhere Pauschale auf viele Kilowattstunden; pro kWh fällt sie kaum ins Gewicht, und weil der Arbeitspreis zugleich sinkt, bleibt unterm Strich fast alles beim Alten. Ganz anders bei jemandem, der nur Warmwasser bereitet oder kocht und vielleicht 2.000 Kilowattstunden braucht: Bei ihm bestimmt die feste Pauschale die halbe Rechnung, und ein fast verdoppelter Grundpreis schlägt voll durch. Die eigentliche Nachricht lautet deshalb nicht „Gas wird teurer", sondern „der Fixkostenanteil wird teurer" – und der trifft die Kleinen.

Warum sich das ausgerechnet jetzt verschiebt

Dahinter steht der Gasausstieg. Immer mehr Haushalte heizen mit einer Wärmepumpe statt mit Gas, doch die Kosten des Gasnetzes bleiben vorerst gleich hoch – sie verteilen sich nur auf immer weniger Anschlüsse. Über den verbrauchsabhängigen Arbeitspreis lässt sich das kaum noch stabil hereinholen, weil schlicht weniger Kilowattstunden durch die Leitungen fließen. Also greifen die Netzbetreiber zum festen Grundpreis, gestützt auf neue Abschreibungsregeln, die eine schnellere Kostenrückholung erlauben. Fachleute sprechen von der beginnenden „Gasnetz-Spirale": Je mehr Kunden gehen, desto teurer wird der Fixanteil für alle, die bleiben.

Was am Ende auf der Rechnung steht

Vor der Panik lohnt der genaue Blick. Seit dem 1. Januar 2026 entfällt die Gasspeicherumlage – eine der letzten Krisenmaßnahmen aus dem Jahr 2022, deren Kosten künftig der Bund trägt. Für einen Haushalt mit 20.000 Kilowattstunden bedeutet das rund 58 bis 69 € brutto weniger im Jahr. Das gleicht den durchschnittlichen Netzkosten-Anstieg, den Verivox mit etwa 61 € brutto beziffert, fast vollständig aus. Für einen typischen Heiz-Haushalt ist 2026 damit eher ein Nullsummenspiel. Beim Wenigverbraucher sieht es anders aus: Bei ihm bleibt vom Grundpreis-Sprung mehr hängen, während die verbrauchsabhängige Umlage-Entlastung klein ausfällt.

Der Kontrast zu Strom – und was er bedeutet

Beim Strom läuft es genau andersherum. Dort sinkt das Netzentgelt 2026 im Schnitt um 16 bis 17 Prozent, gestützt durch einen milliardenschweren Bundeszuschuss – beim Gas dagegen steigt der Fixanteil. Und dieser Trend ist strukturell: Für die letzten verbleibenden Gaskunden wird es in den kommenden Jahren eher weiter teurer, nicht billiger. Wer ohnehin über einen Heizungswechsel nachdenkt, sollte das mit einrechnen – zumal selbst die geplante Grüngasquote die Gasheizung nicht rettet. Was eine Wärmepumpe im eigenen Haus kostet und spart, lässt sich mit aktuellen Förder- und Strompreisen in wenigen Minuten durchspielen:

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Häufige Fragen

Steigen die Gasnetzentgelte 2026? Ja – bundesweit laut Verivox im Schnitt um rund 11 Prozent, was für einen Haushalt mit 20.000 kWh etwa 61 € Mehrkosten bedeutet. Der Anstieg läuft aber vor allem über den Grundpreis, die feste Jahrespauschale; der Arbeitspreis pro Kilowattstunde sinkt vielerorts sogar.

Warum steigt der Grundpreis und nicht der Arbeitspreis? Weil sich die festen Netzkosten bei sinkendem Gasverbrauch über eine feste Pauschale stabiler hereinholen lassen als über den Verbrauchspreis. Neue Abschreibungsregeln verstärken diesen Weg zusätzlich.

Wen trifft das am stärksten? Wenigverbraucher, die nur Warmwasser bereiten oder kochen. Bei ihnen bestimmt der Grundpreis die Rechnung, während Vielverbraucher den Fixbetrag auf viele Kilowattstunden verteilen und ihn kaum spüren.

Wird meine Gasrechnung insgesamt teurer? Für einen Durchschnitts-Heizhaushalt oft kaum – die seit 1.1.2026 entfallene Gasspeicherumlage gleicht den Netzkosten-Anstieg weitgehend aus. Für Wenigverbraucher bleibt eher etwas hängen.

Warum sinkt Strom, aber Gas steigt? Beim Strom stützt ein Bundeszuschuss die Netzkosten; beim Gas verteilen sich die Fixkosten wegen des Gasausstiegs auf immer weniger Schultern.


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Stand: Juli 2026 – Bundeswerte nach Verivox (Netzentgelt-Anstieg ~11 %, ~61 €/Jahr; Gasspeicherumlage-Wegfall ~69 €/Jahr); regionale Spannbreite aus eigener Stichprobe von 8 Gasnetzen, PDF-belegt (Beispiel Bielefeld belegt). Netzwerte netto, Haushaltsbeträge brutto.

Zuletzt aktualisiert: September 2026 · Unabhängig & kostenlos – wir verkaufen keine Anlagen, sondern rechnen ehrlich.

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