COP-Werte zweier Hersteller vergleichen: Warum das meist nicht funktioniert
Kurz zusammengefasst: Ein COP-Wert im Datenblatt gilt immer nur für einen bestimmten Betriebspunkt – und zusätzlich für eine bestimmte Last, die im Datenblatt oft daneben steht, aber selten mitgelesen wird. In unserer eigenen Auswertung von 58 Herstellerdokumenten mit 134 Wärmepumpen (18 Marken, nur R290/Propan, Stand 02.09.2026) stand am selben Normpunkt A7/W35 einmal COP 3,11 und einmal COP 5,41 – ein Unterschied von 74 %, der zum größten Teil daher kommt, dass die beiden Werte bei sehr unterschiedlicher Last deklariert sind. Vergleichbar ist stattdessen die ErP-Kennzahl ηs. Und wer einen Altbau mit Heizkörpern hat, braucht ohnehin einen anderen Punkt: A-7/W55.
Was COP, SCOP und JAZ jeweils bedeuten, steht im Ratgeber zur Jahresarbeitszahl. Hier geht es um etwas anderes: warum zwei COP-Zahlen nebeneinander trotzdem keinen Vergleich ergeben.
Was "A7/W35" festlegt – und was nicht
Die Schreibweise ist schnell erklärt: A steht für die Wärmequelle Luft und die Zahl dahinter für die Außentemperatur, W für das Heizwasser und die Zahl dahinter für die Vorlauftemperatur. A7/W35 heißt also 7 °C Außenluft, 35 °C Vorlauf; A-7/W55 heißt −7 °C Außenluft, 55 °C Vorlauf (Heizungsfinder, Intelligent Heizen).
Gemessen wird der COP unter definierten Laborbedingungen nach EN 14511; die Teillastprüfung und die Berechnung der saisonalen Arbeitszahl regelt die EN 14825 (iDM zu EN 14511, Baunormenlexikon zu DIN EN 14825). Dass COP-Werte nur bei identischem Betriebspunkt gegenübergestellt werden dürfen, sagen beide Quellenseiten ausdrücklich – eine "reelle, vergleichende Bewertung" ist nur bei denselben Betriebspunkten möglich.
Der entscheidende Punkt: Die Notation legt Temperaturen fest, nicht die Leistung, bei der gemessen wurde. Genau hier entsteht die Lücke.
3,11 gegen 5,41 – derselbe Punkt, andere Last
In unserer Auswertung vom 02.09.2026 fanden sich zum selben Temperaturpunkt A7/W35 diese beiden Deklarationen:
| Hersteller | Betriebspunkt | Deklarierte Last | COP |
|---|---|---|---|
| Bosch | A7/W35 | 109 % der Modulationsleistung | 3,11 |
| Stiebel Eltron | A7/W35 | 39 % der Modulationsleistung | 5,41 |
Quelle: eigene Auswertung von 58 Herstellerdokumenten (134 Geräte, 18 Marken, nur R290), Stand 02.09.2026. Nicht öffentlich abrufbar.
Nebeneinandergelegt sieht das nach 74 % Effizienzunterschied aus. Legt man dagegen die genormte ErP-Kennzahl derselben Baureihen nebeneinander, bleibt davon fast nichts übrig: Bosch 180–188 %, Stiebel Eltron 179–211 % – zwei Spannen, die sich weitgehend überlappen (ebenfalls eigene Auswertung, Stand 02.09.2026).
Warum das passiert: Eine modulierende Wärmepumpe arbeitet in Teillast in der Regel effizienter als unter Volllast. Der Verdichter läuft langsamer, es muss weniger verdichtet werden, das Kältemittel hat mehr Zeit zur Wärmeaufnahme; zusätzlich entfallen Taktverluste (Inoutic, iDM zum Teillastbetrieb – dort einschränkend: höhere Effizienz "sofern die Modulation optimiert ist"). Physikalisch dahinter steckt der Temperaturhub: Je kleiner der Abstand zwischen Quelle und Vorlauf, desto höher der COP – rund 2,0 bis 2,5 % je Kelvin Vorlauftemperatur (42watt).
Praktisch heißt das: Bei 39 % Last bekommt dieselbe Maschine eine bessere Zahl als bei 109 %. Ein COP ohne die zugehörige Leistung ist deshalb keine Vergleichszahl, sondern nur eine Einzelmessung.
Die Zahl, die man vergleichen darf: ηs
Die jahreszeitbedingte Raumheizungs-Energieeffizienz ηs ist in Verordnung (EU) Nr. 813/2013 (Ökodesign) definiert als "Quotient aus dem von einem Heizgerät gedeckten Raumheizwärmebedarf für eine bestimmte Heizperiode und dem zur Deckung dieses Bedarfs erforderlichen jährlichen Energieverbrauch in %". Die Kennzeichnung auf dem Energielabel regelt Verordnung (EU) Nr. 811/2013. Bezugsgrößen sind eine europäische Bezugsheizperiode unter durchschnittlichen Klimaverhältnissen und Norm-Nennbedingungen mit fester Ausgangstemperatur (Anhang III der VO 813/2013).
Vereinfacht: ηs ≈ SCOP ÷ 2,5 × 100 – der Faktor 2,5 ist der europäische Primärenergiefaktor für Strom (ee-experten). Deshalb liegen die Werte über 100 %.
Die Mindestanforderungen aus Anhang II der VO 813/2013:
| Gerätetyp | ηs mind. seit 26.09.2015 | ηs mind. seit 26.09.2017 |
|---|---|---|
| Raumheizgerät mit Wärmepumpe | 100 % | 110 % |
| Niedertemperatur-Wärmepumpe | 115 % | 125 % |
Ein Vorbehalt bleibt: ηs ist nur innerhalb derselben Vorlauftemperatur vergleichbar. Ein ηs für 35 °C und eines für 55 °C sind wieder zwei verschiedene Dinge. Achten Sie also darauf, dass beide Angebote dieselbe Temperaturklasse angeben.
Der Punkt, der im Altbau entscheidet: A-7/W55
Für einen unsanierten Altbau mit klassischen Heizkörpern hängt fast alles an einem einzigen Betriebspunkt: A-7/W55 – der kalte Wintertag bei 55 °C Vorlauf. Das ist die Situation, in der die Anlage am meisten Strom zieht und in der ein Heizstab zuschalten kann. Wie hoch Ihr Vorlauf wirklich sein muss, hängt an der Heizlast und den Heizflächen; ob sich der Umstieg trägt, behandelt der Ratgeber Wann sich eine Wärmepumpe lohnt.
Das Problem: Von 134 erfassten Geräten tragen 6 diesen Wert (eigene Auswertung, Stand 02.09.2026). Acht der achtzehn ausgewerteten Marken enthielten ihn in den erfassten Unterlagen nicht: Bosch, Buderus, Daikin, Dimplex, NIBE, Ochsner, Weishaupt und Wolf.
Das ist eine Aussage über die ausgewerteten Dokumente vom 02.09.2026, nicht über die Geräte: Welche Betriebspunkte ein Datenblatt über die vorgeschriebenen Angaben hinaus nennt, ist von Dokument zu Dokument unterschiedlich, und Datenblätter werden laufend aktualisiert.
Für Sie folgt daraus trotzdem etwas sehr Praktisches: Wenn der Wert nicht im Datenblatt steht, ist das die Frage an den Fachbetrieb.
Was Sie im Angebot konkret verlangen sollten
Drei Angaben, schriftlich, für jedes angebotene Gerät:
- ηs in % – mit Angabe, ob für 35 °C oder 55 °C Vorlauf. Das ist die einzige Zahl, die zwischen zwei Herstellern wirklich vergleichbar ist.
- COP bei A-7/W55 – wenn Sie Heizkörper haben. Fehlt der Wert im Datenblatt, lassen Sie ihn sich vom Fachbetrieb beim Hersteller besorgen.
- Zu jedem genannten COP den Lastpunkt – also bei wie viel Prozent der Modulationsleistung gemessen wurde. Ohne diese Angabe ist der COP keine Vergleichszahl.
Und rechnen Sie am Ende nicht mit dem COP, sondern mit einer realistischen Jahresarbeitszahl – was das an Stromverbrauch und Kosten bedeutet, können Sie hier durchspielen: Wärmepumpe durchrechnen.
Häufige Fragen
Warum darf ich zwei COP-Werte nicht einfach nebeneinanderlegen? Weil die Notation A7/W35 nur die Temperaturen festlegt, nicht die Last, bei der gemessen wurde. In unserer Auswertung vom 02.09.2026 lag dieselbe Bezeichnung einmal bei 109 % und einmal bei 39 % Modulationsleistung – und Teillast liefert bei derselben Maschine die bessere Zahl.
Welche Zahl ist dann vergleichbar? ηs, die jahreszeitbedingte Raumheizungs-Energieeffizienz nach VO (EU) Nr. 813/2013. Sie ist auf ein einheitliches Lastprofil, das europäische Durchschnittsklima und Norm-Nennbedingungen bezogen. Wichtig: nur innerhalb derselben Vorlauftemperatur vergleichen.
Was ist A-7/W55 und warum ist das im Altbau wichtig? −7 °C Außenluft bei 55 °C Vorlauf – der kalte Tag im Haus mit Heizkörpern. Dort entscheidet sich Ihr Stromverbrauch im Winter. Von 134 in unserer Erhebung erfassten Geräten tragen 6 diesen Wert; fehlt er, fragen Sie im Angebot danach.
Woher stammen die Zahlen 109 %, 39 % und "6 von 134"? Aus einer eigenen Auswertung von 58 Herstellerdokumenten mit 134 Wärmepumpen aus 18 Marken (nur R290/Propan), Stand 02.09.2026. Diese Werte sind nicht öffentlich abrufbar – die Normen und EU-Verordnungen, auf die wir uns beziehen, dagegen schon.
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Stand: 02.09.2026. Erhebungswerte: eigene Auswertung von 58 Herstellerdokumenten (134 Geräte, 18 Marken, R290), Stand 02.09.2026.