Wärmepumpe: Heizlast berechnen und richtig dimensionieren
Die Heizlast ist die wichtigste Zahl bei der Auswahl einer Wärmepumpe: Sie sagt, wie viel Leistung Ihr Haus am kältesten Tag braucht – gemessen in Kilowatt. Danach richtet sich die Größe der Wärmepumpe. Für ein typisches Einfamilienhaus liegt sie grob zwischen 4 und 15 kW. Zu groß gewählt kostet Geld, zu klein auch – deshalb lohnt es sich, die Zahl vorher zu kennen.
Heizlast ist nicht Stromverbrauch
Kurz zur Abgrenzung, weil beides oft verwechselt wird:
- Heizlast (kW): die maximale Leistung am kältesten Tag → bestimmt die Größe der Wärmepumpe.
- Heizwärmebedarf (kWh/Jahr): die Wärmemenge übers Jahr → bestimmt den Stromverbrauch.
Für die Kaufentscheidung brauchen Sie die Heizlast. Hier sind drei Wege, sie zu ermitteln – vom schnellen Überschlag bis zur exakten Berechnung.
Weg 1: Faustformel über die Fläche
Der schnellste Überschlag: beheizte Wohnfläche × spezifische Heizlast je Quadratmeter.
| Gebäudetyp | spez. Heizlast (W/m²) |
|---|---|
| Unsanierter Altbau | 120 – 180 |
| Teilsaniert | 90 – 120 |
| Gut saniert | 60 – 80 |
| Neubau (GEG-Standard) | 40 – 50 |
| KfW-Effizienzhaus / Passivhaus | 15 – 30 |
Beispiel: 140 m² gut saniert × 70 W/m² = rund 9,8 kW Heizlast. Für das Warmwasser kommen grob 0,2 kW je Person dazu. Für einen ersten Eindruck reicht das – für den Kauf sollte es genauer sein.
Weg 2: Über den bisherigen Verbrauch (am zuverlässigsten für Bestandshäuser)
Wenn Sie bisher mit Gas oder Öl geheizt haben, steckt die Antwort in Ihren Abrechnungen. Faustformel:
Heizlast (kW) ≈ Jahres-Heizverbrauch (kWh) ÷ 2.000
Die rund 2.000 sind die Vollbenutzungsstunden – so viele Stunden im Jahr würde die Heizung bei Volllast laufen, um die Jahreswärme zu liefern.
Beispiel: 2.000 Liter Heizöl im Jahr entsprechen etwa 20.000 kWh. Geteilt durch 2.000 → rund 10 kW Heizlast. Ziehen Sie den reinen Warmwasser-Anteil (grob 12–15 %) noch ab, landen Sie etwas darunter. Wichtig: Falls Sie in Ihren Räumen oft nachgeheizt haben oder es nie richtig warm wurde, liegt die echte Heizlast höher.
Weg 3: Die genaue Heizlastberechnung (DIN EN 12831)
Der exakte Weg ist die raumweise Heizlastberechnung nach DIN EN 12831 durch einen Fachbetrieb oder Energieberater. Sie berücksichtigt jeden Raum, Fenster, Wände, Ausrichtung und die örtliche Norm-Außentemperatur. Für die endgültige Auslegung – gerade bei Fußbodenheizung und knapper Dimensionierung – ist sie Pflicht. Die Faustwerte oben helfen Ihnen aber, ein Angebot einzuordnen: Weicht die vorgeschlagene Leistung stark von Ihrem Überschlag ab, fragen Sie nach.
Größer ist nicht besser!
- Zu groß: Die Wärmepumpe „taktet" – sie schaltet ständig an und aus. Das senkt die Jahresarbeitszahl, erhöht den Verschleiß und treibt den Stromverbrauch. Ein häufiger und teurer Fehler.
- Zu klein: An sehr kalten Tagen springt der elektrische Heizstab ein – der heizt mit einer Arbeitszahl von 1 und ist damit richtig teuer.
Am besten fahren modulierende Wärmepumpen, die ihre Leistung an den Bedarf anpassen. Eine leicht knappe, modulierende Auslegung ist meist wirtschaftlicher als eine großzügig überdimensionierte.
Häufige Fragen
Wie groß muss meine Wärmepumpe sein? So groß wie die Heizlast Ihres Hauses – für ein Einfamilienhaus meist 4 bis 15 kW. Fläche × spezifische Heizlast (W/m²) gibt den ersten Anhaltspunkt.
Wie berechne ich die Heizlast aus dem Gasverbrauch? Jahresverbrauch in kWh geteilt durch rund 2.000 Vollbenutzungsstunden. 20.000 kWh ergeben also grob 10 kW.
Brauche ich zwingend eine DIN-Berechnung? Für die endgültige Auslegung ja. Für die Einordnung eines Angebots reichen die Faustformeln oben.
Was passiert bei falscher Dimensionierung? Zu groß = Takten und schlechtere JAZ; zu klein = teures Nachheizen mit dem Heizstab. Beides kostet über die Jahre spürbar.
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