Netzentgelt-Report 2026: Faktor 7 beim Stromnetz je nach Wohnort
Für den reinen Netztransport Ihres Stroms zahlen Sie 2026 – je nachdem, wo Sie wohnen – zwischen 2,46 und 17,39 ct pro Kilowattstunde. Das ist ein Faktor von rund 7 für exakt dieselbe Leistung: Strom durch die Leitung bis zu Ihrer Steckdose. Für eine Auswertung von 516 Netzbetreibern haben wir die aktuellen Preisblätter ausgewertet. Die wichtigsten Zahlen – und was sie für Ihre Rechnung bedeuten.
Die Kernzahlen im Überblick
Das Netzentgelt ist der Teil Ihres Strompreises, der an den örtlichen Netzbetreiber geht – ein fester, regulierter Posten, den Sie nicht durch einen Tarifwechsel beeinflussen können. Er besteht aus einem Arbeitspreis (ct je Kilowattstunde) und einem Grundpreis (Euro im Jahr).
Arbeitspreis (Haushalt ohne Leistungsmessung, netto, Stand 2026):
- Günstigster: 2,46 ct/kWh – E-Genossenschaft Unterneukirchen
- Teuerster: 17,39 ct/kWh – Kraftwerk Köhlgartenwiese (für 2026 vorläufig festgesetztes Netzentgelt nach § 20 Abs. 1 S. 2 EnWG)
- Median: 7,20 ct/kWh
- Mittelfeld (die mittleren 50 %): 5,99 bis 8,44 ct/kWh
Grundpreis (reiner Netz-Grundpreis, ohne Messentgelt): im Median 73 €/Jahr.
Zwischen dem günstigsten und dem teuersten Netz liegen also fast 15 ct/kWh – allein bei diesem einen Posten.
Was das für Ihre Stromrechnung heißt
Ein durchschnittlicher Haushalt mit 3.500 kWh Jahresverbrauch zahlt beim Median-Netzentgelt rund 325 € im Jahr nur für den Netzanteil (252 € Arbeitspreis + 73 € Grundpreis, netto).
Der Unterschied zwischen dem günstigsten und dem teuersten Netzgebiet macht bei diesem Verbrauch über 520 € im Jahr aus – für dieselbe Kilowattstunde. Das ist kein Tarif, den man kündigen kann: Es hängt schlicht am Wohnort und am dortigen Netzbetreiber.
Welches Netzentgelt bei Ihnen gilt, sehen Sie mit Ihrer Postleitzahl im Netzentgelt-Finder.
Der §14a-Bonus: bis zu 40 % weniger Netzentgelt
Wer eine steuerbare Verbrauchseinrichtung betreibt – Wärmepumpe, Wallbox oder Heimspeicher ab 4,2 kW – kann nach §14a EnWG einen reduzierten Netzentgelt-Arbeitspreis wählen (Modul 2). Der lag 2026 im Median bei 2,88 ct/kWh – rund 40 % unter dem normalen Arbeitspreis.
Bei einer Wärmepumpe mit 3.000 kWh Jahresverbrauch sind das grob 130 € Ersparnis im Jahr, nur über das Netzentgelt – zusätzlich zu den günstigeren Betriebskosten der Wärmepumpe selbst. Was §14a konkret in Ihrem Fall bringt, rechnet der Rechner mit durch.
Warum die Unterschiede so groß sind
Ein Netzentgelt deckt die Kosten für Bau, Betrieb und Wartung des örtlichen Stromnetzes. Wo wenige Haushalte auf viel Leitung verteilt sind – ländliche Regionen, Gebiete mit hohem Netzausbau für Wind und Solar – verteilen sich diese Kosten auf weniger Schultern. Das treibt den Preis. Dichte, städtische Netze sind pro Kilowattstunde oft günstiger. Deshalb zahlen ausgerechnet Regionen mit viel Erneuerbaren-Zubau häufig die höchsten Netzentgelte.
Methodik
Ausgewertet wurden die veröffentlichten Preisblätter von 516 Netzbetreibern für die Niederspannung, Haushaltskunden ohne Leistungsmessung, alle Werte netto, Stand 2026. Die zugrunde liegende Datenbank deckt praktisch die gesamte Bevölkerung ab (99,99 % einwohnergewichtet, jeweils per Original-Preisblatt belegt). Median und Quartile beim Arbeitspreis beziehen sich auf die Betreiber-Ebene (ein Wert je Netzbetreiber, nicht einwohnergewichtet). Der Grundpreis-Median bezieht sich auf die 508 Netzbetreiber mit ausgewiesenem Netz-Grundpreis und meint den reinen Netzanteil ohne Messstellenbetrieb/Messentgelt (in deutschen Preisblättern separat ausgewiesen).
Ein kleiner Teil der Entgelte ist zum Stand 2026 noch vorläufig festgesetzt (§ 20 Abs. 1 S. 2 EnWG) – rund 6 %, darunter der oben genannte Höchstwert (Köhlgartenwiese). Betroffene Extremwerte kennzeichnen wir entsprechend; der günstigste Wert (Unterneukirchen) ist endgültig festgesetzt.
Zur Kontrolle haben wir die Datenbank gegen unabhängige Quellen (Bundesnetzagentur, Verivox) gespiegelt: Der einwohnergewichtete Durchschnitt liegt bei rund 9,0 ct/kWh und deckt sich mit den dort ausgewiesenen Werten (ca. 9,3 ct/kWh); auch auf Städte-Ebene stimmen die Werte überein (Beispiel Hamburg: 11,76 vs. 11,80 ct/kWh). Der oben genannte Median von 7,20 ct liegt bewusst darunter, weil er jeden Netzbetreiber gleich gewichtet – viele kleine, günstige Netze zählen dabei genauso viel wie wenige große, teure.
Häufige Fragen
Kann ich mein Netzentgelt senken? Nicht durch einen Anbieterwechsel – das Netzentgelt ist an Ihren Wohnort gebunden. Senken lässt es sich nur über §14a (steuerbare Verbraucher) oder indem Sie weniger Netzstrom beziehen, etwa durch eine PV-Anlage mit Eigenverbrauch.
Ist das Netzentgelt im Strompreis schon enthalten? Ja. Es steckt fest im Arbeits- und Grundpreis Ihres Stromvertrags – meist ohne dass es getrennt ausgewiesen wird. Im Schnitt macht es rund ein Viertel des Gesamtpreises aus.
Warum steigen die Netzentgelte? Der Netzausbau für Erneuerbare kostet Geld, das über die Entgelte umgelegt wird. In vielen Netzgebieten sind sie 2026 gestiegen.
Wo sehe ich mein konkretes Netzentgelt? Im Netzentgelt-Finder per Postleitzahl.
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Stand: 2026. Datenbasis: veröffentlichte Preisblätter von 516 Netzbetreibern, Niederspannung, Haushalt ohne Leistungsmessung, netto.