Stromspeicher sinnvoll? Ehrlich gerechnet
Ein Speicher lohnt sich genau dann, wenn jede gespeicherte Kilowattstunde mehr einspart, als sie über ihre Lebensdauer kostet. Beide Seiten lassen sich beziffern – und genau das macht die Entscheidung einfacher, als sie oft dargestellt wird.
Der Nutzen ist die Lücke zwischen teurem Netzstrom und magerer Einspeisevergütung. Wer abends 35 ct zukaufen müsste, stattdessen aber eigenen Sonnenstrom aus dem Speicher nutzt, den er sonst für rund 7,8 ct eingespeist hätte, gewinnt pro Kilowattstunde rund 27 ct. Dem stehen die Speicherkosten gegenüber: Ein 8-kWh-Speicher für etwa 6.400 €, der über seine Lebensdauer rund 6.000 Mal geladen wird, setzt etwa 48.000 kWh um – das sind gut 13 ct je gespeicherter Kilowattstunde. Unterm Strich bleiben also rund 14 ct Gewinn pro kWh.
Der Haken: volle Auslastung
Diese Rechnung gilt nur, wenn der Speicher wirklich arbeitet. In der Praxis kommt ein Hausspeicher auf vielleicht 250 Vollzyklen im Jahr, also rund 2.000 kWh – das sind etwa 280 € jährlicher Vorteil und damit eine Amortisation nahe an der Lebensdauer. Allein über den Eigenverbrauch rechnet sich ein Speicher deshalb selten. Erst zwei Dinge drehen die Rechnung spürbar ins Plus: ein hoher Abendbedarf durch Wärmepumpe oder E-Auto – und ein dynamischer Tarif, der die günstigsten Stunden zum Laden nutzt. Wie viele Vollzyklen in Ihrem Haushalt zusammenkommen, rechnet Ihnen der Speicher-Rechner mit Ihrem echten Verbrauch aus.
Ehrlich: wann er sich nicht rechnet
In einem kleinen Haushalt ohne Wärmepumpe oder E-Auto kommen schlicht zu wenige Vollzyklen zusammen – der Speicher amortisiert sich dann erst jenseits seiner Lebensdauer. Wer zu groß dimensioniert, verschenkt ebenfalls: Die letzten Kilowattstunden werden kaum genutzt und drücken den Schnitt. Die passende Größe für Ihr Profil finden Sie, indem Sie den Speicher einmal durchrechnen. Und das Argument Notstrom ist legitim – nur ist es ein Komfort- und Sicherheitswert, kein wirtschaftlicher. Das sollte man sauber trennen.
Häufige Fragen
Erst PV, dann Speicher? Meist ja – die Photovoltaik hat die sicherere Rendite. Der Speicher kommt dazu, sobald die obige Rechnung aufgeht.
Macht ein dynamischer Tarif den Speicher lohnend? Er ist der zweite Ertragshebel, vor allem mit flexiblem Verbrauch. Mehr dazu im Ratgeber zum dynamischen Stromtarif.
Wie groß sollte er sein? Groß genug für einen typischen Abend, nicht größer – Überdimensionierung kostet Wirtschaftlichkeit.
Schätzen Sie nicht, welche Größe passt – finden Sie Ihre Speicher-Schwelle mit Ihrem Verbrauch und, falls vorhanden, dynamischem Tarif. 👉 Speicher durchrechnen
Verwandt: Lohnt sich Photovoltaik? · Dynamischer Stromtarif · Negative Strompreise & Strombörse