PV-Anlage nach Ende der Einspeisevergütung: Was tun?
Die EEG-Vergütung wird für 20 Jahre plus das Inbetriebnahmejahr gezahlt. Für die ersten Anlagen ist diese Frist Ende 2020 abgelaufen – seither fallen jedes Jahr weitere aus der Förderung. Die gute Nachricht vorweg: Ihre Anlage ist damit abbezahlt. Sie muss nicht abgeschaltet werden, im Gegenteil – der Weiterbetrieb lohnt sich fast immer. Denn jede Kilowattstunde, die Sie ab jetzt selbst nutzen, ist praktisch reiner Gewinn. Hier sind die vier sinnvollsten Wege.
Zuerst: Läuft die Anlage technisch überhaupt noch gut?
Ja, mit hoher Wahrscheinlichkeit. Solarmodule altern langsam – nach 20 Jahren liefern sie in der Regel noch rund 85 bis 90 % ihrer ursprünglichen Leistung. Das schwächste Glied ist meist der Wechselrichter (Lebensdauer oft 12 bis 15 Jahre); viele wurden ohnehin schon einmal getauscht. Eine kurze Prüfung durch einen Fachbetrieb schafft Klarheit, ob sich Weiterbetrieb und eventuelle Nachrüstungen lohnen.
Weg 1: Eigenverbrauch maximieren – der größte Hebel
Solange die Vergütung lief, war Volleinspeisung für viele die beste Wahl. Jetzt dreht sich das komplett um. Für den eingespeisten Strom bekommen Sie nur noch wenige Cent (siehe Weg 4) – jede selbst verbrauchte Kilowattstunde spart Ihnen dagegen den vollen Bezugspreis von rund 35 ct.
Der Unterschied ist gewaltig: Selbstnutzen ist heute etwa zehnmal so viel wert wie Einspeisen. Wer bisher voll eingespeist hat, sollte deshalb auf Überschusseinspeisung umstellen lassen (Zählerkonzept anpassen) und den Eigenverbrauch aktiv nach oben treiben – Geräte tagsüber laufen lassen, wenn die Sonne scheint. Wie viel das bei Ihnen bringt, rechnet der Rechner mit Ihrem Verbrauch durch.
Weg 2: Speicher nachrüsten
Ohne Speicher liegt der Eigenverbrauch typischerweise nur bei 25 bis 35 % – der Rest fließt für ein paar Cent ins Netz. Ein Batteriespeicher hebt diesen Anteil auf 65 bis 80 % und verschiebt den Sonnenstrom in die Abend- und Nachtstunden. Gerade bei einer abbezahlten Altanlage ist das oft attraktiv, weil der teuer eingekaufte Netzstrom so weitgehend entfällt. Ob und in welcher Größe sich das rechnet, steht im Ratgeber Stromspeicher nachrüsten.
Weg 3: Überschuss in Wärme und Mobilität stecken
Zwei große Verbraucher machen den Eigenverbrauch besonders wirtschaftlich:
- E-Auto: Tagsüber mit Sonnenstrom geladen, ersetzt jede Kilowattstunde teuren Ladestrom. Noch mehr holt heraus, wer das Auto als Speicher nutzt – siehe Bidirektionales Laden.
- Wärmepumpe: Aus einer Kilowattstunde Solarstrom werden über die Arbeitszahl mehrere Kilowattstunden Wärme. Die Kombination aus alter PV-Anlage und Wärmepumpe ist einer der stärksten Hebel überhaupt.
Weitere Möglichkeiten, den Sonnenstrom im Haus zu halten, sammelt der Ratgeber PV-Eigenverbrauch erhöhen.
Weg 4: Den Rest weiter einspeisen
Was Sie nicht selbst verbrauchen, muss nicht verschenkt werden. Für ausgeförderte Anlagen bis 100 kWp gibt es eine gesetzliche Auffangregelung: Der Netzbetreiber nimmt den Strom weiter ab und vergütet ihn mit dem Jahresmarktwert (dem mittleren Börsenpreis) abzüglich einer kleinen Vermarktungspauschale. Das sind je nach Börsenjahr meist nur wenige Cent pro Kilowattstunde – deutlich weniger als früher, aber besser als nichts. Diese Regelung gilt nach aktuellem Stand bis Ende 2032.
Alternativ können Sie Ihren Überschuss über einen Dienstleister direkt vermarkten – das lohnt aber meist erst bei größeren Anlagen. Für die allermeisten Ü20-Anlagen gilt: Eigenverbrauch schlägt Einspeisung um Längen.
Lohnt sich der Weiterbetrieb unterm Strich?
Fast immer ja. Die Anlage ist abbezahlt, die laufenden Kosten sind gering (Versicherung, gelegentliche Wartung). Selbst wenn irgendwann der Wechselrichter getauscht werden muss (rund 1.000 bis 2.000 €), rechnet sich das über die eingesparten Stromkosten meist schnell. Was Weiterbetrieb, Speicher-Nachrüstung und Eigenverbrauch in Ihrem Fall bringen, sehen Sie mit Ihren echten Zahlen im Rechner.
Häufige Fragen
Muss ich meine Anlage nach 20 Jahren abmelden oder abschalten? Nein. Sie dürfen sie unbegrenzt weiterbetreiben. Nur das Zählerkonzept sollten Sie prüfen lassen, wenn Sie von Voll- auf Überschusseinspeisung wechseln.
Was bekomme ich noch für eingespeisten Strom? Über die Auffangregelung den Jahresmarktwert minus Vermarktungspauschale – meist nur wenige Cent pro Kilowattstunde, abhängig vom Börsenjahr.
Lohnt sich jetzt noch ein Speicher? Bei abbezahlter Anlage oft ja, weil teurer Netzstrom ersetzt wird. Die genaue Schwelle rechnet der Speicher-Ratgeber durch.
Halten die alten Module überhaupt noch? In der Regel ja – nach 20 Jahren meist noch 85 bis 90 % Leistung. Der Wechselrichter ist eher das begrenzende Bauteil.
Rechnen Sie durch, was Ihre abbezahlte Anlage mit mehr Eigenverbrauch oder einem Speicher noch einbringt: 👉 Weiterbetrieb durchrechnen
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Stand: Juli 2026